Nicht Nein sagen können – Bist Du wirklich verantwortlich für die Gefühle anderer?

Du hast einen Mann/eine Frau kennengelernt und  bemerkst nach mehreren Kontakten, der Funke will nicht überspringen. Du möchtest dem anderen nicht weh tun und bleibst in dieser Beziehung . Du denkst „Vielleicht irre ich mich ja und das Gefühl kommt noch. Außerdem unternehmen wir Einiges gemeinsam und ich bin nicht mehr allein.“ Hier hilft Ehrlichkeit. Ehrlichkeit zu Dir selbst, zu Deinen Bedürfnissen und Gefühlen, auch wenn der andere enttäuscht ist, enttäuscht darüber, dass seine Vorstellung nicht in Erfüllung geht. Aber vielleicht bist du auch enttäuscht, dass Dein Fantasiebild von einer Beziehung  mit ihm oder ihr  nicht in Erfüllung geht.

Änderung des Blickwinkels

Enttäuschung kann auch Befreiung von der Täuschung bedeuten. Du, sowie auch der/die andere haben eine neue Chance, jemanden kennen zu lernen, der jeweils zu einem passt. Du nimmst Dein Gegenüber auf Augenhöhe wahr und nicht als eine Person, die es alleine nicht schafft. Du traust ihr zu , emotionalen Schmerz gut zu verkraften.

Selbsterkenntnis

Vielleicht kennst du diese energie- und kraftraubende Neigung in Dir schon aus frühen Kindesjahren. Sich verantwortlich fühlen für die Gefühle Deiner Eltern oder anderen nahen Bezugspersonen, zum Beispiel in Ehekrisen der Eltern, bei Krankheiten in der Familie, Trennungen.  Kinder lernen früh, sich verantwortlich zu fühlen, auch damit ihre existentielle Grundlage, ihr Zuhause nicht zerbricht, da Kinder 100% abhängig sind von ihren Bezugspersonen. Sie lernen, sich früh zu kümmern, oder nicht zu belasten, damit es dem anderen gut geht. Ja es sind häufig die Kümmerer, die ihre Bedürfnisse hinten anstellen, sich selbst verlieren , um den anderen zu tragen. Es sind aber auch die Ängstlichen, die übermannt wurden von emotionalen Ausbrüchen der Bezugspersonen. Sie haben schon früh verbal oder non verbal zu verstehen bekommen „Du bist schuld , dass ich jetzt weine , dass es mir schlecht geht.“ Dieses Schuldgefühl bleibt oft bis ins Erwachsenenalter stark verankert. All diese entstandenen  Denk-und Verhaltensmuster kann man mittels verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren  sehr gut auflösen.

Tipp

Eine zentrale Frage, die man sich stets selbst stellen darf und sollte ist folgende : Wie geht es mir dabei? Wenn es Dir damit nicht gut geht, wird es dem anderen langfristig auch nicht damit gut gehen und Du hast das Gegenteil von dem erreicht, was Du eigentlich wolltest.

Geschenk

Wir projizieren zudem  oft unbewusst unsere Wünsche auf Personen. Wir meinen dabei nicht die Person. Wir sind in diesem Fall verliebt in die Vorstellung,  aber nicht in die Person. Wenn Du zu Dir stehst, auch wenn es zu einer Trennung kommt, signalisiert Du „Ich bin vollständig und frei in mir, zufrieden mit meinem Leben , ich brauche keinen Partner, um glücklich zu sein.“ Du signalisierst Dein wirkliches Erwachsensein,  Dein mit Dir im Reinen sein , Deine Unabhängigkeit, Deinen Wert, Dein Dir treu sein.  Dein Selbstvertrauen und damit Dein inneres Sicherheitsempfinden wachsen. Du kannst die Gefühle des anderen nicht kontrollieren, nur Deine eigenen. Und wenn Du mit Deinen Gefühlen im Reinen  bist, dann reguliert sich Dein Umfeld  in dem Maße, dass es zu Dir passt, so dass auch zum richtigen Zeitpunkt der Partner kommt, der zu Dir  passt.

Die Rose – Über den Mut, aufrichtig zu seinen Wahrnehmungen zu stehen

„Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit“

William Somerset Maugham

Eine junge Frau spürte plötzlich tief in Ihrem Innern den Impuls, ihrem Partner eine Rose zu schenken.

Schon seit langem hatte sie immer wieder zweifelnd über ihre Beziehung nachgedacht. Sie war an Depression erkrankt. Ist dieser wiederkehrende Wunsch nach Trennung Teil der Depression oder ein von ihr ernst zu nehmendes Bedürfnis?

Sie entschied zunächst, sich um ihre Beziehung zu sich selbst zu kümmern. Denn es ist besser, eine Entscheidung aus dem inneren Gefühl der Zufriedenheit und Erfülltheit zu treffen, als aus einem Gefühl der inneren Leere und Bedürftigkeit.

Sie entwickelte sich weiter, empfand in sich immer mehr Selbstvertrauen, genoss Zeiten mit sich allein und erfuhr Positives, wenn sie sich, anstatt alles mit sich allein auszumachen, anderen anvertraute. So redete sie mit ihrem Partner offen über ihre Gefühle und Wünsche. Sie erlebte von seiner Seite in gewisser Weise eine Bewegung in ihre Richtung und entwickelte Zuversicht für einen weiteren gemeinsamen Weg.

Sie möchte ihm mit einer Rose danken, um ihm zu zeigen, dass sie Liebe für ihn empfindet. Doch es geschah etwas für sie völlig Unerwartetes und Beängstigendes. Bei dem Satz „Ich liebe Dich.“ spürte sie nichts mehr. Sie empfand diese Liebe nicht mehr.

Sie nahm sich Zeit, um sich selbst über ihre unerwartete, aber in der Vergangenheit immer wiederkehrende Wahrnehmung, im Klaren zu werden. Danach fasste sie allen Mut zusammen und redete aufrichtig mit ihrem Partner über ihre Empfindungen.

Sie bemerkte, dass sie sich über längere Zeit etwas vorgemacht, sich selbst belogen hatte, aus Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen und es nicht alleine zu schaffen. So war es leichter für sie, die Beziehung einfach weiterlaufen zu lassen, in ihrer Komfortzone zu bleiben. Sie hat darauf gehofft, dass sich ihr Partner in ihre Richtung verändert, damit sie sich endlich wohlfühlen kann. Doch ihre Zweifel und Trennungswünsche klopften immer wieder an ihre Haustür mit der Aufforderung, sich damit auseinanderzusetzen.

Aufrichtigkeit in Beziehungen

Es geht darum, aufrichtig zu sich selbst zu sein, sich immer wieder die Frage zu stellen:  Wie fühle ich mich in dieser Beziehung?

Es geht darum zu beobachten und offen mit dem Partner das Gespräch zu suchen, so dass auch er die Chance hat, sich zu reflektieren und sich klar zu werden, was ihm wichtig ist.

Aufrichtigkeit gegenüber sich selbst und andere zeugt von Mut und Tapferkeit, weil sie unabdinglich das Treffen von Entscheidungen nach sich zieht, teilweise mit weitreichenden Konsequenzen und Veränderungen für das Leben.

Oft spürt man in solchen Momenten die eigenen, scheinbar unüberwindbaren Grenzen. Sich in unbekannte Gewässer zu begeben, wo man das, was kommt, noch nicht kennt, kann sehr starke, begrenzende Ängste auslösen. Aber die Akzeptanz eben dieser Ängste und das Treffen ehrlicher Entscheidungen führen zum Wachstum des eigenen Selbstvertrauens, des Gefühls der inneren Sicherheit und Freiheit.

Wegschauen, alles beim Alten zu lassen, schafft gefühlte kurzfristige Erleichterung, die wir langfristig mit einem hohen Preis bezahlen, mit Energie- und Kraftverlust, anhaltender innerer Unzufriedenheit und Leere.

Selbsterkenntnis

Diese Geschichte zeigt, dass das, was wir beabsichtigen, uns überraschend auf ganz andere Wege führen kann. Es erfordert Aufrichtigkeit und Mut, diesem, oftmals nicht immer logisch nachvollziehbaren Pfad zu folgen, den gewohnten Weg zu verlassen, den Weg der Illusion und des Selbstbetruges zu erkennen und loszulassen.

Das angedachte Liebesbekenntnis zum Partner wurde plötzlich zu einem Bekenntnis der Liebe zu sich selbst. Es ist langfristig befreiend und erfüllend, zur eigenen Wahrnehmung zu stehen, auch wenn dies mit Schmerz und Verlust verbunden ist.

So verkörpert auch die blütenprächtige Rose mit ihren Dornen das Leben, welches durch die sich stets verändernde  Balance aus Liebe und Schmerz immer wieder neu geboren wird.











Heilkraft der Träume – Wie wir durch Träume Antworten auf unsere Fragen und Zugang zu unseren Gefühlen finden

Es heißt, das Unterbewusstsein findet in unseren Träumen eine Möglichkeit, all unsere Konflikte und Gefühle auszudrücken, die tief in uns schlummern – wenn man sie bloß verstehen würde!

Fallbeispiel

Ein Patient erzählte mir in unserer Sitzung von seinem „Durchbruch-Erlebnis“. Er hatte einen Traum.

Die Mutter hatte Kaffeebohnen gemahlen. Einige davon blieben als ganze Bohnen übrig. Der Patient schlug vor, die verbleibenden Bohnen ebenfalls zu mahlen. Sein cholerischer Vater reagierte auf seinen Vorschlag wie so häufig ungehalten aggressiv. Der Patient merkte, wie auch in ihm Anspannung aufsteigt. „Vater, warum bist Du nur so?“ kam es erstmals über seine Lippen und er gabt ihm Beispiele, wie andere „normale“ Väter reagieren würden. Wütend und traurig verließ er anschließend den Raum.

Was will mir mein Traum sagen?

Er erwachte weinend aus seinem Traum. 20 min Weinen – für ihn höchst ungewöhnlich. Endlich könne er diese für ihn befreiende Traurigkeit spüren und bewusst zulassen. Ihm wurde klar, dass er sich immer eine liebevolle Beziehung zu seinem Vater gewünscht habe. Eine Beziehung, in der er respektvoll wahrgenommen und liebevoll behandelt wird. Diese habe er aber so nie erlebt. Auch erkannte er eine weitere wichtige Botschaft seines Traumes. All seine Ideen wurden durch das Verhalten seines Vaters im Keime erstickt, schlecht gemacht, noch bevor sie richtig Gestalt annehmen konnten. So machte mein Patient schon früh  beengende und entwertende, von Hilflosigkeit geprägte Beziehungserfahrungen und nahm diese als Erwachsener unbewusst mit in seine Partnerschaften. In diesen entwickelte er bei zunehmender Nähe regelmäßig unangemessen starke Bindungsängste „Ich bin nicht genug. Ich werde eingeengt.“ Regelmäßige Beziehungsabbrüche aus Selbstschutz waren die Folge.

Heilende Traumwirkungen

  1. Aktivierung einer über viele Jahre verdrängten, heilsamen Trauer darüber, dass er als kleines Kind und Jugendlicher stetig in seinem Sein aggressiv übergangen wurde
  2. Entwicklung eines gefühlten Verständnisses für die Wurzeln seiner starken Bindungsängste, seines geringen Selbstwertes und Selbstvertrauens

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Umsetzung der Traumbotschaften  im Alltag

Durch diese gewonnene innere Klarheit traf mein Patient eine tiefe bewusste Entscheidung hinsichtlich der Beziehungsgestaltung zu seinem Vater und anderen nahen Personen:

  1. Ich darf mich nahe stehenden Personen gegenüber abgrenzen und diese in ihre Grenzen weisen. Ich erlebe dadurch Selbstkontrolle und Freiheit in engen Beziehungen.
  2. Weinen in Verbindung mit gefühlter Selbsterkenntnis ist entlastend und befreiend


„Der Schmetterling“ – Warum Helfen nicht nur Segen, sondern auch Fluch sein kann

Geschichte

„Ein Mann entdeckte in seinem Garten einen Schmetterlingskokon. Fasziniert beobachtete er, wie sich ein kleines Loch öffnete und allmählich die Fühler des Insekts hervorkamen. Mehrere Stunden lang versuchte der Schmetterling sich heraus zu kämpfen. Doch irgendwann gab er auf.
Aus Mitgefühl entschied der Mann, das kleine Wesen nicht seinem Schicksal zu überlassen. Mit einer Schere vergrößerte er vorsichtig die Öffnung und der Schmetterling krabbelte mit Leichtigkeit aus dem Kokon. Doch seine Flügel waren klein und schrumpelig und sein Körper geschwollen. Er konnte nicht fliegen.“
Beim Lesen dieser Geschichte fiel mir die tiefe, bittere Erkenntnis einer Patientin ein: „Ich habe meine Tochter lebensunfähig erzogen. Ich habe ihr alles abnehmen wollen. Ich wollte, dass es ihr besser geht als mir. Ich habe schon als kleines Kind viel zu schwere Aufgaben übernehmen müssen, die mich einfach überforderten und in mir Hilflosigkeit und Überforderung ausgelöst haben. Ich wollte nicht, dass sie sich so fühlt wie ich damals.“

 

„Fluch“ des Helfens

Der Mann, sowie meine Patientin hatten mit ihrem Hilfsangebot die besten Absichten. In diesem Fall ist ihre Hilfe jedoch ein „Fluch“. Beide greifen ungefragt bzw. im großen Maße in den natürlichen Entwicklungsweg ihres Gegenübers ein und nehmen ihm die Chance, psychische und körperliche Muskeln zu entwickeln, um als erwachsenes Wesen eigenständig ihr Leben zu meistern. Sie halten ihr Gegenüber dadurch klein und abhängig. Sie vertrauen ihm nicht, dass es in der Lage ist, schwierige Situationen, Widerstände aushalten und lösen zu können. Vielleicht, weil sie aus eigenen Erfahrungen in Kindheit und Jugend viel Hilflosigkeit und Überforderung erlebten und entsprechend nicht genug Selbstvertrauen entwickeln konnten.

 

Motive

Wie bei allen Dingen im Leben macht auch beim Helfen die Dosis das Gift. Das Zuviel oder Zuwenig des Helfenden sagt mehr über ihn selbst aus als über denjenigen, dem geholfen wird. Es gibt viele Motive, die einen dazu bewegen können, ohne Auftrag und / oder ungeachtet der eigenen Grenzen zu helfen. Hier ein kleiner Auszug:

  • Projektion der eigenen Hilflosigkeits-Erfahrungen auf den anderen, obwohl dieser sich gar nicht hilflos fühlt
  • Wahrgenommen, anerkannt und wertgeschätzt zu werden bei zu geringem Selbstwertgefühl
  • Bindungssicherung – „Nur wenn ich etwas tue, helfe, gehöre ich dazu, schaffe Sicherheit, werde geliebt.“
  • Prokrastination „Verschieberitis“- Sich im Übermaß um andere kümmern, um aus Versagensangst, Perfektionismus oder anderen Beweggründen nicht die eigenen Dinge in Angriff nehmen zu müssen

 

Ausweg

Deshalb ist es wichtig, sich immer wieder selbst zu reflektieren. Welches Motiv habe ich?  Verantwortung beginnt mit Eigenverantwortung, mit dem Anspruch, ein kompetenter Helfer, anstatt ein hilfloser Helfer zu sein. Dazu bedarf es Fertigkeiten des einfühlsamen und achtsamen Erkennens eigener Grenzen, des Nein –  Sagen – Lernens aus Liebe zu sich selbst und Vertrauen und Liebe zum Anderen. Bis zu welchem Punkt kann ich helfen? Habe ich überhaupt einen Auftrag vom anderen? Dadurch gebe ich mir  selbst Raum, Entlastung und Kontrolle in meinem eigenen Leben und das Gefühl, selbstbestimmt zu sein. Ich begegne dem anderen auf Augenhöhe und demonstriere ihm den Respekt und das Vertrauen in seine Fähigkeiten. Ich helfe ihm auf diese Weise, Herausforderungen anzunehmen und fliegen zu lernen.

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Perspektivwechsel – In jedem negativen Erlebnis liegt auch ein verborgenes Geschenk

„Es sind nicht die Dinge an sich, die uns beunruhigen, sondern die Bedeutung, die wir ihnen geben.“

Manchmal muss man tief und lange nach dem Geschenk suchen, das in einem negativen Erlebnis verborgen liegt. Erst mit genügend emotionalem Abstand zum Geschehenen wird es erkennbar. Leider ist es so, dass besonders negative Erfahrungen unsere Selbsterkenntnis fördern und damit unser Bewusstsein „Wer bin ich? Wie ticke ich? Was will ich im Leben?“  erweitern.

 

Wie ein tief verdrängter Herzenswunsch durch ein traumatisches Erlebnis wieder lebendig wurde

Eine Klientin, in Mitteldeutschland lebend, wurde mit ihrem Baby 12:00 Uhr mittags nach dem Einkaufen auf dem Nachhauseweg Opfer eines Raubüberfalles. Beide sind zum Glück weitgehend unbeschadet davon gekommen. Es hat die Klientin merklich beruhigt, dass sie über den Vorfall im Rahmen unserer telefonischen Beratung sprechen konnte. Auch war es wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, sich Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Eine gute Idee war, zu ihren Eltern nach Bayern zu fahren und einfach über das Geschehene zu berichten. Auch beruhigte sie die Tatsache, das es völlig natürlich ist, sich so kurz nach dem traumatischen Ereignis bis maximal 4 Wochen emotional aufgewühlt zu fühlen, die Bilder des Überfalles noch immer vor Augen zu haben.

Nach 8 Tagen meldete sich die Klientin wieder bei mir. Ihr ging es deutlich besser. So bestand kein Anhalt für eine Trauma – Folgestörung. Im Gespräch konnte eruiert werden, dass ihr durch den Überfall die Endlichkeit ihres Lebens bewusst geworden war und dadurch plötzlich ein lang verdrängter Wunsch wieder lebendig wurde. In Tränen der Befreiung offenbarte sie mir ihren Herzenswunsch, mit ihrer Familie nach Bayern zu ihren Eltern zu ziehen, da sie ein Familienmensch sei und sie sich auch nicht vorstellen könne, dort wo sie jetzt lebe, ewig zu leben.

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Akzeptanz

Zunächst war es wichtig, die Symptome nach dem Raubüberfall (Angst, Bilder, Intrusionen, Übererregbarkeit) als etwas Natürliches zu akzeptieren. Die Klientin berichtete, dass besonders ihr Umfeld ihre Angst noch verstärkt habe, in dem es sofort eine schwere psychische Störung dahinter vermutete, die einer Krankenhauseinweisung bedarf. Dadurch bekam die Klientin Angst vor der Angst. Angst vor ihren  natürlichen psychischen Reaktionen, die ein Hinweis darauf sind, dass ihr Körper das Trauma verarbeitet.

 

Perspektivwechsel

Sehr heilsam war es, das Geschehene aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, dem Geschehenen einen anderen Sinn, einen anderen Rahmen zu geben. Dieser Rahmen kann das bisherige Leben sein. Wie gehe ich mit meinen Werten, Bedürfnissen, Träumen, Wünschen um? In welchem Maße gebe ich mir in meinem eigenen Leben Raum? Durch den Raubüberfall wurde der Klientin die Endlichkeit ihres eigenen Lebens bewusst. Er rüttelte ihr geordnetes, scheinbar sicheres und angepasstes Alltagsgefüge durcheinander und brachte ihren lang verdrängten Herzenswunsch intensiv zum Vorschein. Sie erkannte, dass sie im erhöhten Maße dazu neigt, eigene Bedürfnisse und Wünsche zu Gunsten anderer zurückzunehmen.

 

Das verborgene Geschenk

Ihr erlangtes tieferes Bewusstsein für den Wert und den Sinn ihres eigenen Lebens gibt ihr die Kraft und die Erlaubnis, ab jetzt für sich selbst verantwortungsvoller und mit gutem Gewissen einzustehen.